14. Juli 1995 | Süddeutsche Zeitung | Film-Tips, Rezension | Film-Tips 14.07.1995

Das Werkstattkino zeigt diese Woche zwei Filme von American International Pictures, die 1957 als Double Feature in amerikanischen Drive-Ins liefen. Das wäre natürlich momentan genau der richtige Ort, um ins Kino zu gehen.

Fauler Apfel

Bis Montag läuft um 21 Uhr SORORITY GIRL, in dem Roger Corman die Geschichte vom verfaulten Apfel in der Obstkiste in einem Mädchen-Internat erzählt. Die durch und durch verdorbene Titelfigur wird von Susan Cabot gespielt, deren Leben noch bizarrer ist als die Geschichte des Films, dessen Moral gegen den Sex-Appeal seiner Heldin natürlich keine Chance hat. Susan Cabot kam, nachdem sie ihre Kindheit in unzähligen Waisenhäusern verbracht hat, in den Vierzigern zu Universal, wo sie aber zumeist nur Squaws spielen durfte. Es wurden ihr Liebschaften mit Marlon Brando und Rock Hudson nachgesagt. In den Fünfzigern wurde sie dann von Roger Corman geholt, der sie als Hohepriesterin der Wikinger, als WESPENFRAU, als Gangsterbraut und eben als herrlich verkommenes SORORITY GIRL besetzte. 1959 hatte sie vom Film genug und stürzte sich in eine vielbeachtete Affäre mit König Hussein. 1964 kam ihr Sohn Timothy zur Welt, der an Zwergenwüchsigkeit litt – vor allem aber unter seiner Mutter. Susan Cabot wurde von ihrer Vergangenheit als mißbrauchtes Kind eingeholt – 1986 wurde sie von ihrem Sohn erschlagen. Die Gerichte erkannten auf Notwehr. Ihr Haus in Encino, heißt es, habe wie eine Müllhalde ausgesehen. Ein weiterer gefallener Engel aus dem Reich von Hollywood-Babylon.

Von Dienstag an läuft dann MOTORCYCLE GANG von Edward L. Cahn, dem Poeten der B-Movies, der hier von illegalen Motorradrennen und anderen Späßen erzählt, die die Kids in den Autokinos mit süßen Träumen versorgt haben.

Robert Crumb

Terry Zwigoffs Porträt des amerikanischen Cartoonisten galt schon auf dem Dokumentarfilmfestival als Höhepunkt, im Maxim läuft CRUMB jetzt täglich außer Montag um 19 Uhr. Sechs Jahre lang hat Zwigoff den scheuen Zeichner begleitet und dabei ein eindringliches Porträt einer durch und durch kaputten Familie gezeichnet. Die Phantasie arbeitet sich in diesem Porträt an der Frage ab, inwieweit sich Verbindungen herstellen lassen zwischen den selbstzerstörerischen Impulsen des Künstlers und seiner Familie und dem kreativen Wahnsinn seiner Arbeiten, in denen der Underground der sechziger Jahre seinen Ausdruck fand. CRUMB ist einer der interessantesten Filme über das Spannungsfeld zwischen Kunst und Leben.

Im Arena laufen in der Spätvorstellung zum Start von Ed Wood noch einmal zwei wunderbare Filme von Tim Burton. Am Freitag um 22.45 Uhr EDWARD SCISSORHANDS, in dem Burton seinem Idol Vincent Price genauso Reverenz erweist wie einst Ed Wood seinem Meister Bela Lugosi. Von Montag bis Mittwoch läuft um dieselbe Zeit nochmal das Puppenmusical NIGHTMARE BEFORE CHRISTMAS, in dem ein Skelett versucht, hinter das Geheimnis von Weihnachten zu kommen und ein rabenschwarzes Fest veranstaltet.

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