05. März 1993 | Süddeutsche Zeitung | Film-Tips, Rezension | Film-Tips 05.03.1993

So muß es sein: Einer stirbt, und das Kino reagiert. Das Fernsehen tut das ja immer seltener, obwohl mehr Spielfilme denn je ausgestrahlt werden. Also ab in die Lupe!

So long, Eddie

In dem schönen Heyne-Buch von Rolf Thissen über Eddie Constantine steht am Ende folgendes: ‚Die Kriege dauern an, die Leute beten, und was passiert: Das Töten geht weiter. Es herrscht das Gesetz des Dschungels. Ich halte davon nichts. Aber man hat keine Wahl. Man existiert, und das ist ja auch schon etwas. Ich verlange nicht nach Utopia. Das gibt es nicht. Heute ist man noch hier, und morgen ist man nicht mehr da. So ist das Leben. Also: Habt Spaß, wenn ihr könnt.‘ Jeweils um 20.30 Uhr zeigt die Lupe Filme mit Eddie, heute und morgen LEMMY CAUTION GEGEN ALPHA 60, also Godards ALPHAVILLE, ein so einfaches wie effektives Gedicht über die Zukunft, in dem Anna Karina schön wie nie ist. Am Sonntag und Montag läuft LIEBE, LUMPEN, LEIDENSCHAFTEN (LE GRAND BLUFF) von Patrice Dally und am Dienstag und Mittwoch HEISSE LIPPEN; KALTER STAHL (VOTRE DÉVOUÉ BLAKE) von Jean Laviron, zwei Larry- Blake-Filme von 1954 und 1957. Also: Habt Spaß, wenn ihr könnt!

Nachruf auf eine Bestie

Das Werkstattkino bringt von Montag an um 21 Uhr einen der besten amerikanischen Filme der achtziger Jahre ins Kino: Lawrence Schillers THE EXECUTIONER’S SONG, eine Verfilmung von Norman Mailers Bericht über die Hinrichtung des Mörders Gary Gilmore. Freddie Francis stand hinter der Kamera, die Songs sind von Waylon Jennings, und die Frauen werden gespielt von Rosanna Arquette und Christine Lahti. Und als wären das noch nicht Gründe genug, den Film anzusehen, spielt Tommy Lee Jones hier die beste Rolle seines Lebens. Gilmore, der einen Tankwart und einen Motel-Manager umgebracht hatte, wurde zum Tode verurteilt und kämpfte für eine schnelle Vollstreckung des Urteils: ‚Ich habe Glück. Ich sterbe und weiß wann. Ich habe Zeit, mich damit abzufinden. Manche haben das nicht. Ich denke da an Jensen und Bushnell (seine beiden Opfer).‘ Damit haben sich die Rollen vertauscht: Der Täter will sterben, die Gegner der Todesstrafe wollen es verhindern. So wird daraus ein langer Film über das Töten, ein langer Abschied.

Liebestod

Im Theatiner läuft im Spätprogramm Leos Carax: Bis Sonntag LES AMANTS DES PONT-NEUF und von Montag bis Mittwoch BOY MEETS GIRL, beide im Original mit Untertiteln. Die Liebe ist darin ein Feuerwerk, aber ihre Erfüllung findet sie nur im Tod.

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