26. Februar 1998 | Süddeutsche Zeitung | Porträt | Demi Moore

Filmgeschäft

Hollywood-Karriere mit vollem Körpereinsatz

Demi Moore hat nie einen 
Hehl aus ihren Ambitionen 
gemacht: Deshalb kann sie 
keiner mehr leiden – 
außer vielleicht Bruce Willis

Wenn Eltern ihren Kindern Namen wie Rumer Glenn, Scott LaRue oder Tallulah Belle geben, haben sie offenbar ein Problem – die Kinder natürlich auch. Was bringt wohl Demi Moore und Bruce Willis dazu, ihren Töchtern Namen zu geben, bei denen man zuerst an kleine putzwedelartige Hunde mit hellblauen Schleifchen im Haar denkt? Natürlich weil sie etwas Besonderes sein sollen – als würde es nicht genügen, daß die Eltern für jeden Film locker zwischen zehn und zwanzig Millionen Dollar einstreichen. Aber so ist das eben mit Demi Moore: Von Anfang an mußte sie immer ein wenig anders sein als die anderen. Das ging der Branche mit der Zeit ziemlich auf den Wecker. Reiner Neid.

Vielleicht stammt der Tick mit den Namen daher, daß Demi Moore nur das Pseudonym einer Frau ist, die 1962 unter dem gleichfalls etwas gewollt anderen Namen Demetria Gene Guynes in Roswell, New Mexiko, geboren wurde. Wie man aus den X-Files weiß, ist Roswell der Ort, wo Außerirdische gelandet und dann vom FBI kaltgestellt worden sind. Ist die Frau vielleicht selbst ein UFO?

Damit keine Zweifel aufkommen, hat sich Demi Moore 1992, als sie zum zweiten Mal schwanger war, nackt fürs Cover von Vanity Fair ablichten lassen. Weil der Auftritt für ziemliche Furore sorgte, ließ sich Demi ein Jahr später gleich nochmal nackt photographieren – diesmal jedoch nicht schwanger, sondern in Ganzkörperbemalung. Von der Schauspielerin hat fortan keiner mehr geredet, nur noch von ihren Brüsten. Was völlig in Ordnung ist, denn schließlich lebte das Kino immer schon von Dingen, die nicht unbedingt dem Wahren, Guten, Schönen zuzurechnen sind.

Demi Moore hat ihre Karriere schon immer mit vollem Körpereinsatz betrieben. Ihre Brüste wurden, so hatte man den Eindruck, von Film zu Film größer, ihre Lippen feuchter, ihre Augen glänzender. In GHOST und EINE FRAGE DER EHRE mochten das noch alle; bei EIN UNMORALISCHES ANGEBOT und ENTHÜLLUNG fingen die Leute jedoch an, die Schauspielerin mit den Figuren, die sie spielte, zu verwechseln. Bei STRIPTEASE war es dann ganz aus. Demi Moore bekam zwölfeinhalb Millionen, aber den Film wollte kaum einer sehen – und die nächsten Filme auch nicht. Für DIE AKLTE JANE ist Demi durch Schlamm gerobbt, aber der Film hat in Amerika auch weniger eingespielt als erhofft.

Was ist nur los mit dem Publikum? Hier ist eine Frau, die weiß, was sie will, und die stets ihr Bestes gibt. Und das bedeutet im Kino, daß man einer Epoche ein Gesicht verleiht – oder eine Form.

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