20. Januar 1999 | Süddeutsche Zeitung | Kommentar | Die Filmstadt München

Von nix kommt nix

München leuchtet – und die Branche sonnt sich gern in seinem Glanz: nur weiter so!

Große Kunst, das weiß man längst, entsteht nicht immer wegen irgendwelcher Umstände, sondern oft und gerne trotz dieser Umstände. Das ist in München und im Film nicht anders – und im Münchner Film schon gar nicht.

Herbert Achternbusch beispielweise wird von den Förderern nicht geliebt – und vom Publikum auch nicht immer –, aber er macht trotzdem Filme, die auch in hundert Jahren noch etwas über diese Stadt erzählen werden. Ob sich dann allerdings noch jemand an Herrn Zimmermann erinnern wird, ist fraglich.

Das Werkstattkino beispielsweise wird von der Staatsanwaltschaft nicht geliebt – und vom Publikum auch nicht immer –, aber es werden dort Filme gezeigt, die auch in hundert Jahren in keinem anderen Kino laufen werden. Und wenigstens gibt es Menschen, die sie gesehen haben und davon erzählen können.

Das Filmmuseum wird weder von der Stadt noch vom Land besonders geliebt – und macht trotzdem ein gutes Programm. Und es gibt eine Menge Filmemacher, die auch keiner liebt – und die trotzdem Filme machen. Und es gibt kleine Festivals und kleine Kinos und kleine Initiativen und kleine Produzenten, die auch alle trotzdem was machen. Für all das muß man dankbar sein, denn wenn es nicht Leute gäbe, die trotzdem etwas machen, dann könnte man die Filmstadt München gleich dichtmachen.

Es gibt natürlich auch die anderen, die geliebt werden und Geld haben und alle Möglichkeiten. Die braucht man auch. Die bräuchte man vielleicht noch dringender, wenn es darum geht, aus dieser Filmstadt etwas zu machen. Aber daß Kino nicht Fernsehen ist, sondern vom Weitblick lebt, hat sich dort vielleicht noch nicht herumgesprochen. Die Bavaria beispielsweise, deren Risikobereitschaft in Sachen Film noch unter der des durchschnittlichen Fernsehredakteurs liegt. Der Film Fernseh Fond Bayern beispielsweise, dessen Schielen auf Wirtschaftlichkeit ohnehin jedes kinematographische Abenteuer ausschließt. Das Filmfest München beispielsweise, das es stets allen recht machen will und inzwischen gar kein Profil mehr hat. Die Filmhochschule beispielsweise, die ihre Leute für den Markt dressiert. Vielleicht auch die Filmkritik, die jeder Sau hinterherläuft, die durchs Dorf getrieben wird.

Sie alle verlassen sich darauf, daß Münchens Leuchten ihnen auch irgendwie Glanz verleiht. Das war schon immer so, das wird immer so sein. Manchem ist das jedoch nicht genug. Denn die Losung heißt: Von nix kommt nix.

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