29. Januar 1998 | Süddeutsche Zeitung | Glosse | Insekten im Kino

Grusel

Letztes Halali für Kammerjäger

Das Kino läßt es mal wieder kribbeln und krabbeln: STARSHIP TROOPERS

Die Menschheit kämpft wieder mal ihr letztes Gefecht – und diesmal geht es gegen Rieseninsekten. Aber nicht erst seit STARSHIP TROOPERS weiß das Kino, daß der schärfste Nervenkitzel von allen der Juckreiz ist. Seit 1928 Luis Buñuel und sein Freund Salvador Dalí in EIN ANDALUSISCHER HUND Ameisen über eine Menschenhand laufen ließen, quälen Regisseure ihr Publikum immer wieder gerne mit Krabbeltieren aller Art.

Die erste Angriffswelle rollte in den fünfziger Jahren über die Zuschauer hinweg: TARANTILA, DIE WESPENFRAU oder DER FLIEGENMANN waren Auswüchse jener Alpträume, welche die Atombombe den Amerikanern beschert hatte – die Rache für Hiroshima. Die nächste Attacke kam im Zuge der Katastrophenfilme der Siebziger. Diesmal waren es Mörderbienen und Killerspinnen, die den Zweibeinern den Garaus machen wollten. Und in MÖRDERSPINNEN (1977) gelang es ihnen auch: Die letzte Einstellung zeigt die Welt von oben, von einem gigantischen Spinnennetz überzogen. Seither kribbelt und krabbelt es im Weltkino immer wieder mal: ARACHNOPHOBIA oder DIE FLIEGE kennen die meisten, aber auch das Autorenkino läßt es von Zeit zu Zeit jucken: Werner Herzog in WO DIE GRÜNEN AMEISEN TRÄUMEN oder Theo Angelopoulos in DER BIENENZÜCHTER.

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