14. August 2003 | Frankfurter Allgemeine Zeitung | DVD-Kritik, Rezension | Swimming Pool DVD

Filme auf DVD

Francois Ozons "Swimming Pool"

François Ozon dreht keine Remakes, sondern verfilmt eher seine Erinnerungen an Kinoerlebnisse der Jugend. So wie er sich in 8 FRAUEN einen Reim auf George Cukors WOMEN machte, so hat er in SWIMMING POOL sein Spiel mit LA PISCINE von Jacques Deray getrieben. Aber er hat sich nicht der Figurenkonstellationen oder Handlungselemente bedient, sondern eher einer bestimmten Stimmung nachgespürt, den Tagträumereien unter flirrender südfranzösischer Hitze, dem erotisierenden hellen Blau des Pools und jenem fast mutwilligen Drang zum Unheil, der mit diesem Gefühl der Freiheit einhergeht. Im Interview sagte er, LA PISCINE sei schlecht gealtert, dabei ist es vielleicht nur so, daß Derays Film zwangsläufig in Ozons Rückschau verblassen mußte, weil der Pool, an dem sich Romy Schneider und Alain Delon aufeinander räkeln, in der Erinnerung eben immer blauer ist, als er es im Film selbst je war.

Jacques Deray ist am vergangenen Wochenende im Alter von 74 Jahren gestorben, und das ist immer ein guter Anlaß, Filme auf DVD Revue passieren zu lassen. Natürlich ist sein Werk in Deutschland nicht verfügbar, aber übers Internet läßt sich manches in Frankreich bestellen – zum Beispiel LA PISCINE, der 1970 bei uns unter dem Titel DER SWIMMINGPOOL ins Kino kam. Der Film profitierte damals sehr von der Wiederbegegnung des einstigen Traumpaars vor der Kamera, und natürlich glaubt man spüren zu können, daß der alte Zauber noch am Werk ist, wenn Romy Alain bittet, ihr den Rücken zu kratzen. Deray macht sich die Spannung zunutze, um die tote Zeit zwischen den Gästen des Landhauses zu füllen, in dem Maurice Ronet und Jane Birkin als Vater und Tochter das erotische Gleichgewicht durcheinanderbringen. Und gerade die Tatsache, daß er stärker seiner Zeit verpflichtet ist, als es Ozon lieb ist, macht ihn auf Dauer womöglich interessanter als seinen Nachfolger.

Jacques Deray machte Filme in einer Zeit, als er noch auf ein europäisches Starsystem zählen konnte und auf eine Generation, die Delon, Belmondo und Ventura genauso gern sah wie ihre amerikanischen Konkurrenten. Wie jeder gute Handwerker war Deray auch Stilist genug, um in den Siebzigern eine ganze Reihe von überdurchschnittlichen Krimis zu inszenieren, die auch ganz gut ohne das Brimborium auskamen, mit dem heutzutage alles zur „Action“ aufgemotzt wird. So gibt es auf DVD LE SOLITAIRE und LE MARGINAL mit Belmondo, die Interviews mit Jacques Deray enthalten, und in einer hübschen Edition mit Alain-Delon-Filmen auch FLIC STORY, TROIS HOMMES À ABATTRE, LE GANG und BORSALINO & CO, die leider, wie in Frankreich üblich, nur den Originalton ohne Untertitel präsentieren.

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