01. August 1997 | Süddeutsche Zeitung | Film-Tips, Rezension | Film-Tips 01.08.1997

Robert Mitchum wäre achtzig Jahre alt gworden, weshalb die Lupe am Mittwoch um 18 und 20.15 Uhr FAHR ZUR HÖLLE, LIEBLING zeigt, in dem Mitchum archetypisch cool agiert. Noch schöner natürlich im Kino Breitwand in Gilching am Sonntag um 21.15 und am Dienstag um 21.45 Uhr OUT OF THE PAST, in dem man am meisten Mitchum fürs Geld kriegt.

Die Kunst des Mordens

Das Fantasy-Filmfest bringt in seiner Retro die Filme von Dario Argento, die ganz der schönen Kunst der Mordens gewidmet sind. Wie allen guten Surrealisten ist dem Italiener das Messer natürlich näher als die Waffe, und tatsächlich haben die Dinge bei ihm stets eine so kristallene Ausstrahlung, daß sie ein Eigenleben entwickeln. Die Thriller aus den siebziger Jahren sind zudem von so topographisch gläserner Schönheit, daß man meinen möchte, die Architekten hätten ihre Baupläne mit dem Skalpell entworfen. Im City laufen jeweils um 18.15 Uhr: Heute DIE NEUNSCHWÄNZIGE KATZE mit Karl Malden als Blindem, morgen VIER FLIEGEN AUF GRAUEM SAMT, am Sonntag SUSPIRIA, der das München des Jahres 1976 zeigt, am Montag TENEBRAE, am Dienstag OPERA und am Mittwoch TWO EVIL EYES, den er mit seinem Kollegen George A. Romero gedreht hat.

Das Werkstattkino zeigt täglich um 23 Uhr STREETS OF FIRE von Walter Hill, eine Mischung aus Musical, Noir und Biker- Film mit Musik von Ry Cooder, welche die Kamera nach ihrer Pfeife tanzen läßt. Alles in diesem Film ist Rhythmus und Gewalt, Explosion und Pose, und man darf nicht unterschätzen, was Hill dadurch zur Stilfindung der achtziger Jahre beigetragen hat.

Dazu um 21 Uhr nochmal Buddy Giovinazzos NO WAY HOME mit Tim Roth, James Russo und Deborah Unger, der hier ziemlich untergegangen ist, obwohl er sicher zu den besseren Filmen des Jahrzehnts zählt – vor allem, weil solche Geschichten kaum mehr erzählt werden, und wenn, dann nicht so.

Die üblichen Verdächtigen

Die 45. Internationalen Filmkunstwochen sind natürlich auch eine gute Gelegenheit, ein paar der besseren Filme, die man in letzter Zeit versäumt hat, nachzuholen. Am Sonntag im Türkendolch um 18 und 22.30 Uhr LONE STAR von John Sayles, einer Art OUT OF THE PAST an der texanischen Grenze zu Mexiko; am Montag im selben Kino um 18.30 und 23 Uhr SEXY SADIE von Mathias Glasner, in dem Corinna Harfouch und Jürgen Vogel dem Affen Zucker geben; am Dienstag um 20.30 Uhr im Arena das Auster-Wang-Double-Feature SMOKE und BLUE IN THE FACE in denen es tatsächlich auch ums Rauchen geht, was eine spezielle Art ist, dem Tod Zeit abzuringen; am Dienstag im selben Kino um 22.45 Uhr THE USUAL SUSPECTS; am Sonntag um 22.30 Uhr im ABC HEAT von Michael Mann, in dem sich Al Pacino und Robert De Niro in cooler Umgebung ein hitziges Duell liefern. Und im Isabella läuft heute um 18.15 und 22.45 Uhr nochmal JENSEITS DER WOLKEN von Michelangelo Antonioni, ein schönes Alterswerk, das with a little help from his friends nach vier von Antonionis Kurzgeschichten entstanden ist.

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