27. Juni 2000 | Süddeutsche Zeitung | München - Geheimnisse einer Stadt, Würdigungen | Filmfest-Tipp

Filmfest München: In Eigener Sache

Zu Hause in der Erinnerung

Die Stadt München – gesehen von Michael Althen und Dominik Graf

In die Hinterhöfe und auf die großen Plätze, in die Archive und auf die Menschen heute schaut dieser Film, das heißt er bringt das Offensichtliche mit dem Verborgenen zusammen und konjugiert das Explizite mit dem Impliziten. Ein Film, der einen ermuntert, den eigenen Sinnen und Erinnerungen zu trauen – aber das vielleicht nicht nur auf den ersten Blick. Munich nous appartient . . .

Michael Althen, der Filmredakteur dieser Zeitung, und Dominik Graf, der erfolgreichste und sensibelste Regisseur der Stadt, haben gemeinsam einen Film über München gemacht, „München – Geheimnisse einer Stadt”. Die Erkundung der Welt in Bildern und Tönen, der bekannten wie der unbekannten, auch mehr als hundert Jahre nach seiner Geburt hat das Kino im Grund keine andere Aufgabe. So ist dies ein exemplarischer Film – ein modellhafter, möchte man sagen, und das in jeder Hinsicht.

Ein Kollege und Freund macht einen Film, da schlägt das Herz heftiger als bei anderen Kinoabenteuern – weil man aus der Ferne die Ungewissheit mitvollzieht, die es bedeutet, die sichere Position des Zuschauers, des Kritikers zu verlassen. Vielleicht sollte tatsächlich, möchte man spekulieren, jeder Schreiber alle fünf Jahre zu einer Übung in der praktischen Filmarbeit verpflichtet werden (und die Filmschüler zu einem Vierteljahr Filmmuseumsbesuch).

Dies ist der Reiz der Nouvelle Vague – von Godard, Truffaut, Rivette, die, als sie vor einem halben Jahrhundert mit dem Schreiben übers Kino begannen, sich bereits als hundertprozentige Filmemacher verstanden. In diesem Sinne sind die Geheimnisse von München nicht nur die der Stadt, sondern die der Menschen, die sie sehen und erleben und den anderen zeigen. (Carl-Orff-Saal, Dienstag 19. 30 Uhr; Arri, Freitag 22. 30 Uhr).

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