13. November 1999 | Süddeutsche Zeitung | Filmkritiken, Rezension | Schlaraffenland

Scheingefechte

Neuer Film: SCHLARAFFENLAND

Wenn sich ein Drehbuchautor von einem Film distanziert, dann weiß man in der Regel, dass der Film ein Problem hat. Der Autor Christoph Fromm hat also über seine Agentur verbreiten lassen, es vermittle ihm „ein groteskes Gefühl, in den Filmkritiken jetzt zum großen Teil exakt dieselben Argumente gegen sich verwendet zu sehen, mit denen er ein Jahr lang versucht hat, sein Drehbuch zu retten”. Autorenschicksal. Ähnliches ist Fromm schon bei STALINGRAD widerfahren – nur ist diesmal sein eigener Bruder der Regisseur.

Tatsächlich gibt es einige Argumente gegen den Film – ob sie alle der Regie anzulasten sind, lässt sich nicht einwandfrei feststellen. Es gibt indes auch manches, was für SCHLARAFFENLAND spräche. Das eine wäre, dass die Geschichte einer Gruppe Jugendlicher, die sich eine Nacht in einem Einkaufszentrum einschließen lassen und von einem Wachtrupp gejagt werden, eine spannende Ausgangssituation ist. Das andere wäre dann, dass die amerikanischen Muster, die sich fürs Erzählen so einer Geschichte anbieten, immer wieder mit Geschick angewandt werden. Was zwischen diesen beiden Qualitäten allerdings schief gelaufen ist, müssen die Brüder unter sich ausmachen.

Erstens ist die Entscheidung, die Wachmannschaft mit Heiner Lauterbach und Franka Potente zu besetzen, sich dann aber vor allem für die Jugendlichen zu interessieren, nicht sonderlich sinnvoll – die Stars sind schlicht verschenkt.

Zweitens ist der Einsatz einer Cinemascope-Kamera nur dann sinnvoll, wenn man auch in der Lage ist, die Räume in ihrer Weite zu zeigen. Stattdessen wirkt der Film oft, als sei er eher in einer Boutique als in einem Einkaufszentrum gedreht. Gerade die für die Konfrontation so fruchtbare Architektur zersplittert zu einzelnen Räumen, die nie in Zusammenhang zu stehen scheinen.

Und drittens sollte, wo SCHLARAFFENLAND draufsteht, auch Schlaraffenland drin sein. Gerade der Spaß, sich in der Konsumwelt frei bewegen zu können, kommt deutlich zu kurz. Der Spaß mündet gleich ins Schlamassel, damit bloß keiner auf die Idee kommen kann, der Film nehme irgendwas auf die leichte Schulter.

Die Story, die Stars, all das war ein Versprechen, wie es deutsche Filme selten genug formulieren – aber dabei bleibt es am Ende auch.

SCHLARAFFENLAND, D 1999 – Regie Friedemann Fromm. Buch: Christoph und/oder Friedemann Fromm. Kamera: Jo Heim. Produktionsdesign: Rainer Schaper. Musik: Manu Kurz, Johnny Klimek, Apollo Four Forty. Mit: Ken Duken, Daniel Brühl, Susanne Bormann, Heiner Lauterbach, Franka Potente, Jürgen Tarrach, Roman Knizka, Ulrike Kriener. BuenaVista, 114 Minuten.

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