18. September 2000 | Süddeutsche Zeitung | Rezension, Videoclip-Kritik | Wunderkind

Videotext: Flatz / Wunderkind

Regie: Oliver Bradford

Der Mann ist eigentlich Künstler. Hat Performances hingelegt, vor denen die meisten Bühnenshows verblassen. Hat sich nackt in eine Galerie gestellt und die Besucher aufgefordert, mit Dartpfeilen auf ihn zu werfen. Hat sich in einen Teppich eingenäht und vor den Eingang irgendeiner österreichischen Behörde gelegt, damit die Leute über ihn drübersteigen mussten. Hat sich an den Füßen an einem Seil aufgehängt und sich als Klöppel zwischen zwei Stahlblechen hin-und herschwingen lassen. Noch Fragen? Hat dann eine Postkarte mit der deutschen Flagge mit den Worten „Fressen, Ficken, Fernsehen‘ versehen, hat ungefähr hundert Porsches im Schlosshof in Stuttgart aufgestellt und den Eingang der documenta mit Sandsäcken so verhängt, dass sich jeder Besucher seinen Weg freiboxen musste. Jetzt hat er eine CD gemacht – und einen Clip. Da taucht er in Öl herum, zeigt seine Tattoos, und dazu tropft es überall. Es ist ein weiter Weg von einer gelungenen Performance zu einem guten Clip. Da bleibt Flatz unter seinen Möglichkeiten. Andererseits tun das die meisten – und die sind noch nicht einmal Künstler.

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