02. Oktober 2000 | Süddeutsche Zeitung | Rezension, Videoclip-Kritik | The Spirit Of The Hawk

Videotext: Rednex / The Spirit Of The Hawk

Tiere im Fernsehen sind immer super. Deshalb herrscht große Sympathie für die Rednex, die eigentlich eher Redskins sind. Rothäute, Raubvögel, Rebellentum. Alles da. Und was sehen wir im Clip? Wir sehen, wie ein Geschäftsmann mit Koffer, der einem Bettler nichts gibt, im Vorbeiflug vom Geist des Habichts erfüllt wird. Und was macht er? Steckt er sich eine Blume hinters Ohr, reißt er sich die Kleider vom Leib, bespringt er die nächstbeste Frau? Nein, viel besser: Er lockert seinen Krawattenknoten. Echt. Das ist natürlich der Hammer, der Gipfel an tief empfundener Lebensfreude, ein Exzess von ungezügelter Leidenschaft, ein Delirium geradezu. Heiliger Habicht! Das ist wohl der Grund, warum der Song so erfolgreich ist: Lebensfreude als Brotaufstrich, kalorienarm und magenfreundlich. Und wahrscheinlich wurden für diesen Clip auch keine Tiere gequält. Madonna hat es ohnehin schon gesagt: Musik verbindet die Rebellen und die Bourgeoisie. Wer rebellieren will, lockert einfach seinen Krawattenknoten. Und wer keine Krawatte hat, bohrt in der Nase.

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