08. November 1999 | Süddeutsche Zeitung | Rezension, Videoclip-Kritik | Everything Will Flow

Videotext: Suede / Everything Will Flow

Regie: Howard Greennhagh

Vergessen wir mal die Musik. Das Schönste an Videoclips ist doch, dass die Regisseure ein Schweinegeld zur Verfügung haben, um in kürzestmöglicher Zeit so viel wie möglich davon auf den Kopf zu hauen. Und keiner fragt, ob das, was sie da auf die Beine stellen, auch Hand und Fuß hat. In drei Minuten bringt man eine Menge unter, ohne dass sich irgendwer beschweren könnte, was das alles eigentlich soll. Es zahlt ja auch keiner für Clips – man kriegt sie frei Haus, rund um die Uhr, ungefragt und ungebeten. Die Bilder haben in aller Regel nichts mit dem Text zu tun – sie müssen nur mächtig gut aussehen. So auch bei Suede, wo der Sänger glaubt, er sähe gut aus, in Wirklichkeit aber die Bilder ihm die Schau stehlen. Die Kamera rast von einer Wiese fort in den Himmel, die Stadt wird sichtbar, Wolken ziehen ins Bild und ein Jumbo kreuzt den Blick. Ob das einen Sinn hat, weiß man nicht, aber es sieht höllisch gut aus. Das Kino kann sich solchen Unfug kaum leisten – die Clips schon. Wahrscheinlich hat man deshalb immer den Eindruck, dass dort die Post abgeht.

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