30. August 1999 | Süddeutsche Zeitung | Rezension, Videoclip-Kritik | Buenos Dias Messias

Videotext: Die Fantastischen Vier / Buenos Dias Messias

Regie: Ralf Schmerberg

Der Vorteil am amerikanischen Rap ist, dass man doch nicht so genau versteht, was die Jungs brabbeln – sonst käme man womöglich auf die Idee, dass es manchmal der pure Schwachsinn ist. Der Nachteil am deutschen Rap liegt auf der Hand. „Buenos Dias Messias‘ zeigt die Vier als Medienguerilla, deren Motto lautet: „Kein Applaus für Scheiße‘. Und damit klar wird, was sie mit Scheiße meinen, sieht man das auch im Bild. In freier Folge: Bill Clinton, Gerhard Schröder, Harald Juhnke, Roman Herzog, Matthäus, der Papst, Til Schweiger. Alles – wir zitieren – „aalglatte, nimmersatte Jammerlappen‘. Und dazwischen die Vier, vermummt und mit Digitalkameras im Anschlag. So aufgemacht fallen sie über verschiedene Ereignisse her, die sie bloßstellen wollen: Sonja am Mittag, eine Bunte-Party, diverse Talkshows, den Deutschen Filmpreis. Fantastisch. Und auch sehr kritisch. Textprobe: „Scheiß auf alle, die bekannt sind, im Land sind, so viele Promis, die nicht bei Verstand sind.‘ Ihr Gegenentwurf: „Lebe lieber ungewöhnlich!‘ Geht klar, wird gemacht. Manchmal könnte man fast meinen, dass die Jungs doch irgendwie die Enkel von Liedermachern wie Wolf Biermann, Hannes Wader oder Franz-Josef Degenhart sind. Nur jünger, aber auch nicht schlauer.

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