13. September 1999 | Süddeutsche Zeitung | Nachruf | Ruth Roman

Man lebt nur zweimal

Hollywood-Schauspielerin Ruth Roman gestorben

Sie war auf der Rückkehr von Italien und tanzte gerade an Bord des Luxusliners „Andrea Doria”, als ihr Schiff vor der amerikanischen Ostküste von der „Stockholm” gerammt wurde. Ruth Roman packte ihren dreijährigen Sohn und kletterte über eine Strickleiter zu den Rettungsbooten. Eins fuhr ihr vor der Nase davon, ehe sie das nächste erwischte und gerettet wurde. Von 760 Passagieren starben in jener Nacht des Jahres 1956 immerhin 50. Für Ruth Roman galt fortan: Man lebt nur zweimal.

Ruth Roman sagte zwar später, sie habwe nie geglaubt, dass ihr etwas zustoßen könnte, aber ihre Karriere brach danach ab – da war sie 32 Jahre alt und hatte jede Menge eigenwilliger, auch starker Frauen gespielt in Filmen, in denen sich alles in der Regel um Männer drehte. Ihre schönste Rolle war die Saloon-Besitzerin Ronda Castle, die in Anthony Manns THE FAR COUNTRY über den Todespass reitet und von James Stewart gerettet werden muss. Am Ende stirbt sie, als sie sich schützend vor ihren Retter wirft – aber da hat sie den Kampf um ihn ohnehin schon gegen Corinne Calvet verloren.

Begonnen hatte Ruth Roman in den Vierzigern mit winzigen Rollen, ehe sie 1949 an der Seite von Kirk Douglas in CHAMPION den Durchbruch schaffte. Sie unterschrieb bei Warner und drehte mit Errol Flynn, Gary Cooper, Curd Jürgens oder Richard Burton. Gerade dieser Tage konnte man sie wieder in Hitchcocks DER FREMDE IM ZUG sehen, wo sie unwissentlich für den Tod von Farley Grangers Gattin verantwortlich ist.

Letzten Mittwoch ist Ruth Roman im Alter von 75 Jahren in Laguna Beach gestorben.

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