Rolf Kauka

Er bezeichnete sich in späten Jahren schlicht als Forstwirt: Er pflanze Bäume an und verkaufe Holz. Da lebte er mit seiner vierten Frau Alexandra im Süden Georgias auf seiner 2 000 Hektar großen Chinquapin-Plantation, wo er sich 1982 der Gesundheit und des Klimas wegen niedergelassen hatte. Und von seinem mediterranen Herrenhaus, auf dem seine Comicfigur Lupo als Wetterhahn thronte, fuhr er jeden Tag hinaus zu seinem Fluss, um mit großen Fleischbrocken seine Alligatoren zu füttern, von denen er einen „Caligula” nannte.

Bei einem Besuch für ein Interview wurde Rolf Kauka mittendrin von seiner Frau nach draußen gerufen, weil eine Schlange auf der Veranda liege. Kauka, damals bereits 75 Jahre alt, schnappte sich ein Netz, um das Tier einzufangen, doch ehe er sich versah, schnellte die Schlange vor und biss ihn in die Hand. Kauka nahm es gelassen, meinte nur, das sei kein giftiges Exemplar gewesen, und setzte mit einem Tuch um die Hand das Interview fort. Ein Mann, der mit sich und seiner Umgebung im Reinen ist, der sich nichts mehr beweisen musste, nachdem er 1973 seine Comic-Fabrik für damals ungeheuerliche 28 Millionen Mark verkauft hatte, aber klug genug gewesen war, die Rechte an den beiden Figuren Fix und Foxi zu behalten – was ihm jährlich eine weitere Million brachte. Und doch dachte er damals schon wieder daran, die Füchse ins Fernsehen zu bringen, was in diesem Jahr auch gelang. Eine gleichzeitige Neuauflage der Kinderzeitschrift wurde jedoch nach drei Ausgaben wieder eingestellt. Alles hat seine Zeit.

Von 1953 an gab es die Zeitschrift Fix und Foxi, die mit fast einer halben Million Auflage sogar Micky Maus ernsthaft Konkurrenz machte. 1958 ließ Walt Disney deshalb Rolf Kauka nach Kopenhagen kommen und bot ihm einen lukrativen Vertrag an, aber dem Deutschen war klar, dass am Ende nichts so wertvoll ist wie geistiges Eigentum. So machte der Sohn eines Leipziger Schmiedemeisters munter weiter und publizierte bis zu zwölf verschiedene Zeitschriften, darunter eine wenig erfolgreiche eingedeutschte Version von Asterix und Obelix und das Vorschulheft Bussi Bär. Stets suchte er dabei den pädagogischen Ansatz und verband Unterhaltung mit Erziehung: „Ich wollte die guten Seiten des Entertainment nehmen und dazu etwas von unserer doch sehr bewährten deutschen Kultur, die manchmal so oberlehrerhaft ist, aber der Welt sehr viel gegeben hat. ”

Man könnte behaupten, dass die Kinder instinktiv spürten, dass sie bei Kauka den guten Absichten ins Netz gehen sollten, und deshalb sich im verrückteren, neurotischeren Entenhausen oft wohler fühlten als bei Professor Knox, Oma Eusebia und den diversen Füchsen. Aber der Erfolg spricht eine andere Sprache, und wenn man ehrlich ist, dann gibt es in der Erinnerung keine Belege für eine frühkindliche Abwehr der pädagogischen Absichten – Hauptsache, es war schön bunt. Und nicht einmal der väterliche Gruß „Euer Rolf” im Editorial konnte einem diese Hefte vermiesen.

Kauka selbst hatte als Zeichner zwar den Strich vorgegeben, die Arbeit erledigten aber andere. Er hat sich nach dem Verkauf anderen Projekten zugewandt, dem Zeichentrickfilm MARIA D’ORO und dem Roman „Roter Samstag”, in dem er zum Unmut der Kritik den Dritten Weltkrieg durchspielte. Letztlich fühlte er sich doch bei den Füchsen am wohlsten – jetzt ist Kauka im Alter von 83 Jahren auf seiner Plantage gestorben.

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16. September 2000 von marieundtom
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