27. Oktober 2001 | Frankfurter Allgemeine Zeitung | Glosse, Leben | Zeitumstellung

Frage Einstein!

Für Nachdenkliche: Was tun mit der Stunde mehr?

Typisch! Natürlich kriegen wir die Stunde nicht geschenkt, wenn wir sie brauchen – im Stau auf dem Weg zum Flughafen oder wenn Völlers Jungs kurz vor Ende hinten liegen -, sondern nachts, wenn man ohnehin zu müde oder betrunken ist. Und woher kommt eigentlich der Eindruck, die Sonne gehe danach nicht nur eine, sondern ungefähr drei Stunden früher unter? Warum kann man nicht einfach, wenn die Tage kürzer werden, sie zusammenstauchen? So daß die Sonne immer um sieben Uhr morgens auf- und um neun Uhr abends untergeht. Der Arbeitstag wäre vier Stunden kürzer, alle wären glücklich und würden den Krankenkassen eine Menge Geld sparen. Andererseits sollte man vielleicht was Sinnvolles tun. Ein gutes Buch lesen und erstaunt feststellen, daß man um kurz nach zwei weiter ist als um kurz vor drei. Ist das nicht der Beweis, daß wir uns in der Nacht zum Sonntag mit Lichtgeschwindigkeit bewegen? Oder haben wir Einstein da mißverstanden? Und kann endlich jemand klären, ob die Sonne fortan früher oder später aufgeht und ob ich jetzt endlich länger schlafen kann? Mit solchen unsinnigen Gedanken wird man diese Stunde verbringen – und hinterher ist es, als sei nichts gewesen. Andererseits: C’est la vie.

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