King Kong

Es ist Sommer: Nessie hat offenbar hitzefrei, aber wenigstens im Dschungel ist der Teufel los. Deshalb meldet „Bild“: „Forscher jagen King Kong.“ Im Kongo seien Fußspuren eines Riesenaffen entdeckt worden, die mit fünfunddreißig Zentimetern jene der Gorillas um sieben Zentimeter übertreffen. Die Primatologin Shelly Williams berichtet von einer neuen, mysteriösen Affenart, die den Körperbau eines Gorillas, aber die Züge eines Schimpansen hat, die nachts jagt, den Mond anheult und von den Eingeborenen „Löwenkiller“ genannt wird. Sie komme sich vor, sagt sie „USA Today“, wie „Dr. Doolittle im Lande Oz“. Zur Zeit werden im Henry Doorly Zoo in Omaha die in Nestnähe eingesammelten Fäkalien untersucht, um Rückschlüsse auf die Herkunft des Über-Affen zu ziehen.

Wonach die amerikanischen Forscher mühsam fahnden, ist Kinogehern längst geläufig. Es handelt sich natürlich um Kong, den König aller Affen, der bekanntlich Blondinen bevorzugt und auf der Spitze des Empire State Building dafür büßen mußte. Denn das wußte man damals schon, daß es nicht die Jagdfliegerstaffel war, sondern die Schöne, die das Biest umgebracht hat. Aber man sah in der Geschichte auch eine Parabel für Roosevelts New Deal: den Sieg des Fortschrittsglaubens über die dunklen Mächte der Depression. Adorno wiederum hatte seine eigene Theorie, worum es sich bei KING KONG handelt: „Wahrhaft eine Allegorie des unmäßigen und regressiven Monstrums, zu welchem das öffentliche Wesen sich aufwuchs.“

Das ganze Projekt war ein Mix aus populären Mythen, privaten Obsessionen und gescheiterten Projekten. Merian Coldwell Cooper war ein Südstaaten-Aristokrat, Kampfflieger und Entdeckungsreisender, der mit dem ehemaligen Kameramann Ernest Beaumont Schoedsack bereits Dokumentationen gedreht hatte, darunter 1927 CHANG, in dem dreihundert Elefanten ein siamesisches Dorf niedertrampeln. Er sah in der Story „The Avenger“ von Edgar Wallace eine Möglichkeit, sein Lieblingsthema – den Überlebenskampf des Menschen gegen die Natur – im großen Stil auf die Leinwand zu bringen. Als Wallace 1932 starb, übernahm Schoedsacks Frau Ruth Rose das Drehbuch, in dem der Affe noch ein Orang-Utan war und Bhag hieß. Seit 1929 wiederum hatte Harry Hoyt, Regisseur der Conan-Doyle-Verfilmung THE LOST WORLD, an einem Projekt namens „Creation“ gearbeitet, für das der Trickspezialist Willis Harold O’Brien wieder Dinosaurier zum Leben erwecken sollte. Doch als bei RKO David O. Selznick übernahm, sah Cooper die Chance, sich auch dieses Projektes zu bemächtigen: So fanden King Kong und die Dinosaurier zusammen, die sich später auf der Totenkopfinsel westlich von Sumatra um die blonde Frau stritten.

Natürlich zog der Erfolg zahlreiche Fortsetzungen nach sich: Erst mal den weißhaarigen SON OF KONG, später dann Konga, die London verwüstete; in Japan mußte Kong gegen Godzilla antreten, und er trat dort auch in der Roboter-Variante als Mechni-Kong auf. 1976 gab es ein Remake, in dem King Kong auf den Twin Towers sein Ende findet, und es heißt, für 2005 plane Peter Jackson eine weitere Verfilmung, wenn er sich vom HERRN DER RINGE erholt hat.

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19. August 2003 von peter
Kategorien: Glosse | Schreibe einen Kommentar

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