23. Januar 2001 | Süddeutsche Zeitung | Bericht, Weitere Filmpreise | Golden Globes 2001

Brot und Spiele

Julia Roberts und der Gladiator: Golden Globes vergeben

Die Meinung von weniger als 100 ausländischen Journalisten, die in Hollywood die Golden Globes vergeben, ist zwar nicht ganz so aussagekräftig wie das Votum der über 5 000 Mitglieder, die über die Oscars entscheiden – Tatsache aber ist, dass die Globes langsam aber sicher den Oscars den Rang abzulaufen drohen. Das liegt zum einen am absoluten Willen der Hollywood Foreign Press Association (HFPA) zu konsensfähigen Entscheidungen, die als Vorlage für die Academy Awards taugen, vor allem aber an dem günstig gewählten Termin, der zwei Wochen vor Abgabe der Oscar-Nominierungen liegt. Studios und Stars nehmen also dankend die Gelegenheit wahr, bei der Globe-Verleihung nochmal kräftig Werbung für sich und ihre Filme zu machen. Und dabei hat man fast den Eindruck, dass die Auftritte der Sieger schon eine Art Vorsprechen für die Rolle des Oscar-Gewinners Ende März sind.

Was das angeht, kann man sagen, dass Julia Roberts und Tom Hanks eine ausgezeichnete Figur abgegeben haben und nun als Favoriten ins Oscar-Rennen gehen dürfen. Roberts, die sich absolut strahlend präsentierte, gewann für ERIN BROCKOVICH bereits ihren dritten Globe und ist für den Oscar schon deswegen eine Idealbesetzung, weil sie dort über zwei Nominierungen noch nicht hinausgekommen ist. Wobei man sagen muss, dass die Globes auch deshalb den Oscars gefährlich werden können, weil die HFPA durch den Januar-Termin einfach früheren Zugriff auf bestimmte magische Momente hat: Letztes Jahr durfte der reale Hurricane Carter seinem Film-Darsteller Denzel Washington den Preis überreichen, diesmal traf die echte Erin Brockovich ihre fiktive Verkörperung.

Ein weiterer toller Moment ist nun ebenfalls Globe-Geschichte statt Oscar-Historie: dass Bob Dylan den Preis für seinen Song „Things Have Changed”in WONDER BOYS entgegen nimmt und sich alle im Saal erheben, um einer Legende zu applaudieren, die quasi nur ein Seiteneinsteiger in die Welt des Films ist. Das entlockte sogar Julia Roberts die Bemerkung, sie habe sich nie träumen lassen, irgendwann mal nach Dylan auf die Bühne zu dürfen. Der Meister nahm die Ehren jedenfalls mit gewohnt unbewegter Miene entgegen.

Als Verlierer des Abends kann Steven Soderbergh gelten, der offenbar durch die Tatsache, dass er gleich mit zwei Filmen nominiert wurde, sich selbst die nötigen Stimmen stahl: So gab es für ERIN BROCKOVICH nur den Darstellerinnen-Preis und für TRAFFIC einen Globe fürs beste Drehbuch sowie einen Nebendarstellerpreis für Benicio Del Toro. Als bester Regisseur wurde hingegen Ang Lee ausgezeichnet, dessen TIGER & DRAGON auch einen Globe als bester ausländischer Film bekam. Und bei der wichtigsten Auszeichnung für den besten Film der Kategorie Drama musste Soderbergh dem britischen Kollegen Ridley Scott und seinem GLADIATOR den Vortritt lassen.

GLADIATOR also, ein altes Genre mit neuem Pep in Szene gesetzt – das wäre auch für die Oscars in der Nachfolge von BEN HUR nicht die schlechteste Wahl; da haben schon schwächere Filme den Sieg davongetragen. Scott konnte sich auf der Bühne nicht verkneifen, den Kritikern, die 2000 zum katastrophalen Kinojahr ausgerufen haben, die Zunge herauszustrecken. Und sein Produzent fügte hinzu, er könne nach der Zusammenarbeit mit Scott nun endlich verstehen, warum die Engländer 400 Jahre lang die Welt beherrscht haben. Das war vielleicht kein unbedingt sympathischer Auftritt, aber eine Zurschaustellung von Selbstbewusstsein, an der sich Hollywood womöglich aufrichten kann. Für GLADIATOR gab es außerdem noch einen Globe für die beste Musik, der an den Deutschen Hans Zimmer ging.

Im Unterschied zu den Oscars trennen die Globes zwischen Drama einerseits und Musical und Komödie andererseits, weshalb weitere Preise an Cameron Crowes ALMOST FAMOUS und seine Nebendarstellerin Kate Hudson gingen, sowie an Renee Zellweger, die ihre Ehrung als NURSE BETTY beinahe auf der Toilette verpasst hätte, und an George Clooney, der den Globe für OH BROTHER, WHERE ART THOU? so cool und gelassen wie sonst keiner entgegennahm.

Hollywood ist ein Land der Sieger, also hat es auch in schwächeren Jahren keine Probleme, sich siegessicher zu präsentieren. Da fällt es dann auch nicht weiter ins Gewicht, dass eine sichtlich desorientierte Elisabeth Taylor um ein Haar GLADIATOR den Sieg zugesprochen hätte, ohne vorher die Nominierungen zu präsentieren.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert


zwei × drei =