16. Mai 2000 | Süddeutsche Zeitung | Bericht, Cannes | Cannes 2000 (1)

Cannes: Das Leben in Cinemascope

Der Mythos von scharfem Sex und süßer Sünde

Die Stars sind immer anderswo: An der einst schönen Croisette ziehen sich unbekannte Mädchen aus und träumen vergebens vom großen Film

Seien wir ehrlich. Es kann schon sein, dass Cannes einst ein hübsches Örtchen war, wo sich in noblen Hotels inmitten malerischer Verschlafenheit gut leben ließ. Mittlerweile ist Cannes nicht mehr hübsch, geschweige denn malerisch, und schon gar nicht verschlafen – am wenigsten in jenen beiden Wochen im Mai, in denen dort das so genannte Festival International du Film stattfindet. Dann ist dort die Hölle los, und nur weil die Sonne scheint und der Himmel so blau ist, halten das viele immer noch fürs Paradies.

Eine Woche vorher sieht man noch nichts. Cannes ist ein kleiner Ort an der Küste, verbaut wie viele andere, nichts Besonderes. Es gibt mondänere, populärere, schönere an der Côte d’Azur. Doch plötzlich, zu den Filmfestspielen, scheint das Städtchen zu explodieren vor lauter Leben. Air France fliegt Sonderschichten aus Paris, um die Gäste aus aller Welt herbei zu schaffen, und nirgends in Cannes bekommt man noch ein Zimmer, zu normalen Preisen sowieso nicht. Und auf der Croisette, wo ein Filmplakat nach dem andern nach Aufmerksamkeit schreit, schieben sich die Menschenmassen an den Autos vorbei rauf und runter. Das ist Cannes, laut, teuer, voll.

30 000 Leute aus der Filmbranche kommen hier jährlich zusammen, und wer einmal nicht kommt, ist krank, tot oder hat die Branche gewechselt, was ungefähr das gleiche ist. Produzenten, Verleiher, Agenten, Autoren, Schauspieler, Regisseure, Anwälte, Kritiker, Kinobesitzer, Banker, alle sind da und verhandeln, reden, trinken, feiern. Und manchmal, aber nur manchmal, gehen sie auch ins Kino. Dazwischen laufen 5000 Journalisten und Fotografen herum und hoffen ernsthaft, die einzigen oder wenigstens ersten zu sein, die etwas sehen, mitkriegen oder aufschnappen, was sonst noch keiner hat. Und weil sie aber von Berufs wegen nicht sonderlich einfallsreich sind, laufen sie immer dorthin, wo ohnehin schon alle sind. Weswegen alle immer dasselbe sehen, schreiben und fotografieren. Und weil das sehr anstrengend und sehr, sehr frustrierend ist, müssen sie dann auch viel reden, trinken und feiern. Als gebe es kein Morgen.
Ein Morgen gibt es indes immer – das Problem ist eher das Gestern. In Orten wie Cannes, wo sich gefräßige Immobilienmakler und gefallsüchtige Architekten eine goldene Nase verdienen, ist nichts so schnell vergessen wie die Geschichte. Das ist aber keine Erfindung der Neuzeit, das war schon immer so. Man muss nur mal die Croisette der Reihe nach entlang gehen, und man wird sehen, das hier nie lange ein Stein auf dem anderen geblieben ist.

Schon die Croisette selbst hat nichts Ursprüngliches, die Palmen wurden erst 1871 gepflanzt. Und der angrenzende Sandstrand wurde 1891 aufgeschüttet. Dort, wo heute das Festival-Palais steht, das nicht nur Bunker genannt wird, sondern auch so aussieht, befand sich bis 1979 das Casino Municipal. Als es 1907 eröffnete, war das schon der dritte Versuch – die anderen waren 1867 und 1898 pleite gegangen.

An der Stelle des ersten Casinos war das Hotel „Beaurivage” entstanden, das 1926 abgerissen wurde und dem „Majestic” Platz machte. In der nächsten Seitenstraße stand seit 1863 das Hotel „Gray et d’Albion”, das einen herrlichen Garten und angrenzende Art-Déco-Arkaden gehabt haben muss – 1974 wurde es abgerissen und so hässlich wieder aufgebaut, dass man von Außen kaum glauben mag, dass es zu den Renommier-Hotels der Croisette zählt.

Wir bewegen uns weiter nach Osten: Wo 1858 das erste Hotel von Cannes entstanden war, das Hotel „Gonnet”, wurde 1988 das Appartementhaus „Relais de la Reine” errichtet – ein weiterer hübscher Name für ein architektonisches Verbrechen. Das Gleiche geschah mit dem „Grand Hotel” nach dem Krieg. Der Cercle Nautique musste 1946 dem ersten Festivalpalais weichen, der wiederum 1988 durch das Hotel „Noga-Hilton” ersetzt wurde, das keinen Deut hübscher ist als all die anderen Scheußlichkeiten.

Und weiter, an der Stelle des „Hotel de la Plage” entstand 1910 das „Carlton”, berühmt geworden durch Hitchcocks „Über den Dächern von Nizza”, die Königin der Hotels. Dann kommt das „Miramar”, 1927 eröffnet, 1947 in ein Appartementhaus umgewandelt. Und schließlich das „Martinez”, 1929 an der Stelle der Villa Marie-Thérèse erbaut, mit 420 Zimmern das größte und am weitesten vom Festivalpalais entfernte Hotel, das man früher nur „Dritte-Welt-Hotel” nannte, weil dort oder sonstwo die Delegationen aus dem Ostblock untergebracht wurden – dabei gilt es seit der Renovierung als das komfortabelste der großen Hotels.
Das ist natürlich alles Geschichte – und wäre nicht voriges Jahr ein liebevoller Postkartenband erschienen, wäre davon nicht einmal mehr ein fernes Echo übrig. Heute ist alles in Cannes Gegenwart, und jeder Meter der Croisette schreit hier und jetzt und sofort. Und wenn wieder alle Welt auf Cannes blickt, dann haben Luzern, Ostende und Biarritz allen Grund, sich zu ärgern. Sie alle hatten sich Ende der dreißiger Jahre um das Festival International du Film beworben, aber gegen Cannes verloren, weil der Ort an der französischen Riviera die Zusage machte, für den Anlass ein eigenes Palais zu bauen.

Eigentlich war Venedig seit 1932 das führende Filmfestival gewesen, aber als 1938 die Preise an Leni Riefenstahls „Olympia” und an einen Film von Mussolinis ältestem Sohn Vittorio gingen, verließen die amerikanische, englische und französische Delegation unter Protest den Lido. Und eine Kommission unter dem Vorsitz von Louis Lumière, dem Erfinder des Kinos, wurde beauftragt, einen Ort für ein „objektiveres” Festival zu finden. So einigte man sich auf Cannes.
Alles war bereit, und sogar die Stars waren schon da. Gary Cooper, Tyrone Power, Charles Boyer, Douglas Fairbanks, Norma Shearer und Mae West hatten ihre Zimmer mit Meerblick bezogen, und am Strand sollte für den Eröffnungsfilm „Der Glöckner von Notre-Dame” die Pariser Kathedrale aus Pappmaché nachgebaut werden. Nur der Termin war unglücklich gewählt: 1. September 1939. Hitler marschierte in Polen ein, und alles wurde abgeblasen. Der Rest ist Geschichte.

Erst sieben Jahre später konnte das Festival wirklich eröffnet werden. Am 20. September 1946 wurde der sowjetische Dokumentarfilm „Berlin” gezeigt. Weil mehrfach der Film riss oder der Strom ausfiel, war schnell von Sabotage die Rede. Die Gerüchte verstummten allerdings, als auch bei Alfred Hitchcocks „Notorious” die Filmrollen vertauscht und in der falschen Reihenfolge gezeigt wurden.

Demnach beginnt die wahre Geschichte des Festivals erst im Jahre 1954, als Robert Mitchum am Strand von einem Pulk Fotografen verfolgt wurde, und ein Starlet namens Simone Sylva im Bikini auf ihn zuging, ihr Oberteil fallen ließ und den Schauspieler umarmte. Die Aufnahmen gingen um die Welt und erregten nicht nur bei Mitchums Gattin einiges Aufsehen. Am nächsten Tag wurde Mademoiselle Sylva gesehen, wie sie mit einem Stapel Fotos die Croisette entlang ging und damit Werbung für sich machte. Das war der Anfang, der Cannes zum Medienereignis machte, zu einem Ort, wo die Sterne zum Greifen nah sind.
Simone Sylva brachte ihre Aktion indes kein Glück. Sie fuhr nach Hollywood, wo sich entgegen ihren Erwartungen niemand für sie interessierte, und beging ein halbes Jahr später Selbstmord. Im Grunde sollte man ihr vor dem Festivalpalais ein Denkmal errichten. Nichts würde dem falschen Glanz der Croisette, dieser Mischung aus echtem Ruhm und falschem Rummel, billigen Träumen und bösem Erwachen besser gerecht werden.

Im Grunde ist Simone eine Art Heilige für all die Starlets, die seither versucht haben, dort die Welt oder wenigstens einen Produzenten auf sich aufmerksam zu machen. Fast sieht es so aus, als sei sie stellvertretend für ihre Nachfolgerinnen gestorben, als habe sie all das Unheil auf sich geladen. Aber im Ende ist das nur ein trostloses Schicksal unter den vielen, die hier ihren Anfang haben – oder ihr Ende.

Cannes hat die Episode keineswegs geschadet. Man war allerdings damals derart ums Image in der Welt besorgt, dass Festival-Chef Robert Favre Le Bret seinen Freund, den Look-Reporter Rupert Allan beauftragte, eine untadelige Erscheinung wie Grace Kelly dazu zu überreden, im folgenden Jahr an die Croisette zu kommen. Die Mission war erfolgreich, umso mehr, als die amerikanische Schauspielerin Fürst Rainier vorgestellt wurde und tatsächlich pünktlich zum nächsten Festival die Traumhochzeit stattfand. Von da an war Cannes die Königin unter den Festivals. Und der Graben zwischen Simone Sylva und Grace Kelly sagt alles, was man darüber wissen muss.

Es gibt sie natürlich immer noch, die Mädchen, die am Strand im Blitzlicht die Hüllen fallen lassen, die Damen, die im Leoparden-Bikini Werbung für sich selbst oder irgendeinen Club machen – und selbst ein Bodybuilder namens Arnold Schwarzenegger posierte hier noch 1977 für seinen ersten obskuren Film namens „Pumping Iron”. Aber das Geschäft ist härter geworden, seit auch Stars wie Sharon Stone in durchsichtiger Bluse oder Madonna im Bustier auf der großen Treppe zum Palais posiert haben. Das sind die Bilder, die um die Welt gehen. Und sie haben mit den Filmen, die im Wettbewerb um Anerkennung kämpfen, nichts, aber auch gar nichts zu tun.

Cannes, das bedeutet vor allem: Die Stars sind immer anderswo. In den Branchenblättern liest man anderntags, wer gerade für einen Kurzbesuch da war, Verhandlungen geführt, einen Vertrag abgeschlossen, Leute getroffen hat. De Niro war da, Mickey Rourke, Bruce Willis oder Cameron Diaz. Aber man sieht sie nicht. Wenn man davon erfährt, sind sie schon wieder weg. Im Grunde besteht das Festival aus lauter riesigen Menschenströmen, die aneinander vorbeifließen, ohne sich je zu berühren. In die meisten Vorführungen kommt man gar nicht rein. Sie finden auf dem Markt statt, in kleinen Vorführräumen, wo versucht wird, die Ware zu verkaufen. Verleiher zu gewinnen, Kinobesitzer zu interessieren, Investoren zu finden. Ein ständiges Kommen und Gehen findet auf den Fluren der großen Hotels statt, wo die Firmen ihre Büros untergebracht haben.

Und die meisten der Plakate, die dort hängen, werben für Filme, die noch gar nicht existieren. Manchmal gibt es nur einen Titel oder einen Star, und gedreht werden kann erst, wenn man Geldgeber damit angelockt hat. Manchmal wirkt dieses Festival geradezu gespenstisch, und die Filme sind ferne Phantome, die sich in Luft auflösen, wenn der Trubel wieder vorbei ist. Und fast hat man den Eindruck, dasselbe gelte für die Stadt selbst. Als werde sie, wenn das Festival vorüber ist, wie eine Kulisse weggeräumt, um im nächsten Mai wieder aufgebaut zu werden.

Die richtig großen Stars und die wirklich mächtigen Studio-Leute wohnen ohnehin nicht in Cannes, sondern im „Hotel du Cap” auf der Landzunge des eine halbe Stunde entfernten Cap d’Antibes. Das Hotel, das F. Scott Fitzgerald in „Tender is the Night” verewigte, ist so fein, dass dort keine Kreditkarten akzeptiert werden und nach Aussage des Regisseurs John Waters einem Mann, der sich beschwerte, dass sein Zimmer keinen Fernseher habe, vom Zimmerkellner beschieden wurde, er solle sich doch einen kaufen. Dorthin reiste auch Rita Hayworth, um ihre Ehe mit Orson Welles, der mit seinem „Othello” in Cannes war, zu retten – vergeblich.

Aber es gibt auch Leute wie Jack Nicholson, die solche Abgeschiedenheit verweigern und sich lieber im Gewimmel an der Croisette bewegen. 1969 stieg er in Konföderierten-Uniform die Treppe zum Palais hinauf, um zu erleben, wie er mit „Easy Rider” zum Star wurde. Und als er 1981 für „Wenn der Postmann zweimal klingelt” wiederkam, weigerte er sich, für die fünf Blocks zwischen „Majestic” und altem Festivalpalais einen Wagen zu benutzen. Er spazierte seelenruhig durch die Menge, und seine Aufforderung an die Begleiter lautete: „Bloß nicht stehen bleiben. ” Das funktionierte auch. Und er kam erst am nächsten Morgen wieder zurück ins Hotel, um einer Gruppe italienischer Journalisten Interviews zu geben.

So etwas passiert heute nicht mehr. Vor den großen Hotels stehen den ganzen Tag über Fans und Autogrammjäger, in der Hoffnung, einen kurzen Blick auf einen Star zu erhaschen, wenn er aus dem Hotel tritt und ins Auto steigt. Oder wenn er unten an einem der Hotel-Strände zum Essen geht. Wer da war, erfährt man meist erst am nächsten Tag aus der Zeitung.

Aber wenn man ehrlich ist, dann erzählen die wahre Geschichte von Cannes nicht die Stars, deren Aufenthalt ohnehin von Agenten, PR-Leuten und Bodyguards abgeschirmt ist, sondern die Mädels wie Simone Sylva, die auf dem Strand oder dem, was man in Cannes dafür hält, ihr Glück suchen – vorausgesetzt, die Sonne scheint. Denn Regen ist nichts für Mädchen, die nach oben wollen. Wenn es an der Côte d’Azur regnet, dann bleiben die Strände an der Croisette in Cannes leer. Im feinen Niesel hasten die Festivalbesucher von Kino zu Kino, fluchen über nasse Füße und pfeifen auf schöne Mädchen. Wo dann die Mädchen sind, die sich sonst am Strand für Fotografen ausziehen, weiß kein Mensch. In den Hotelbars oder Foyers, in den Kinos oder Cafés? Schwer zu sagen. Denn Mädchen, die sich ausziehen, erkennt man nicht, wenn sie angezogen sind.

Jedes Jahr, wenn in Cannes das Filmfestival stattfindet, kommen sie jedenfalls aus ihren Löchern. Springen auf den Strand, reißen sich die Kleider vom Leib, tragen ihr Fleisch zur Schau. So berichtet es jedenfalls die einschlägige Fachpresse. Jeden Tag eine neue Nackte, die der Welt am Frühstückstisch zuruft: Na, ihr Langweiler, ich hab’ Spaß und ihr nicht. So ist es Jahr für Jahr, und der Traum vom großen Glück hat immer dasselbe sonnengebräunte Gesicht.
Auch wenn das bisschen öffentlicher Strand in Cannes in ein paar Plastiktüten passen würde, gibt es das offenbar immer noch, die Mädchen, die noch an das Märchen vom Filmproduzenten glauben, der die Zeitung aufschlägt, vor Begeisterung vergisst, seinen Kaffee umzurühren, und zum Hörer greift, um so schnell wie möglich die Nummer des Mädchens herausfinden zu lassen, dem er die Hauptrolle in seinem nächsten Film anbieten möchte.

So sieht es aus, das Leben in Cinemascope und Farbe, endlose Tage am Pool und ein Boy, der alle Wünsche von den Lippen abliest. In Wirklichkeit sind das Geschichten von dicken Sugardaddys mit noch dickeren Zigarren und leicht bekleideten Mädchen mit noch leichterer Moral, deren Fluchtpunkt die Besetzungscouch ist.

Man nennt diese Mädchen Starlets, als wäre das Posieren am Strand tatsächlich die Vorstufe zum Star und nicht der Einstieg ins Tal der Tränen. Ehe das Licht dieser Filmsternchen unser Auge erreicht, sind sie in Wirklichkeit schon längst erloschen. Trotzdem ist das Starlet nicht totzukriegen, und Hunderte von Fotografen sorgen dafür, dass der Mythos von scharfem Sex und süßer Sünde am Strand von Cannes weiterlebt. Und unter die Profis, die ihren Zeitungen Blickfänger liefern müssen, mischen sich noch allerlei Amateure, die mit ihren Video- oder Pocket-Kameras mitfilmen, als gäbe es das im Privatfernsehen nicht alles längst frei Haus. So umringen sie die Nackte wie Geier das Aas. Und wo früher die Botschaft hieß: „Schaut her, alles echt, wie Gott mich schuf”, da heißt es heute eher: „Alles fake, vergesst die Schwerkraft, bestaunt die Wunder der kosmetischen Chirurgie. ”

Wer sich ganz normal durch Cannes bewegt, bekommt von alledem nichts mit. Zum einen, weil der Strand an der Croisette fast auf ganzer Länge fest in der Hand der großen Hotels und somit dem Sterblichen nicht zugänglich ist; zum anderen, weil es einfach auch nicht mehr so häufig vorkommt, dass sich Mädchen dort ausziehen. Manchmal hat man fast den Eindruck, die Fotos, die um die Welt gehen, stammen aus den Schubladen der Redaktionen, die immer noch nicht begriffen haben, dass „oben ohne” ein alter Hut ist. Auch wenn es in Cannes mal die ganze Zeit regnen sollte, was in der Vergangenheit durchaus schon vorgekommen ist, würden wahrscheinlich dieselben Fotos von Strand, Sand und Sünde veröffentlicht. Weil das schon immer so war, und eh keiner hören will, dass es nicht so ist.

Robert Mitchum hat einmal gesagt, das Kino sei einst erfunden worden, um die Leute auf Jahrmärkten abzulenken, damit sie nicht merken, wie ihnen das Geld aus der Tasche gezogen wird. Dass er damit nicht ganz unrecht hat, ist an kaum einem anderen Ort so deutlich spürbar wie in Cannes. Jeder zieht hier jedem so oder so das Geld aus der Tasche: die Produzenten den Verleihern, die Restaurants den Gästen, die Taschendiebe den Touristen, jüngere Damen den älteren Herren. Und wenn nicht dauernd an dem Eindruck gearbeitet würde, das Kino sei hier völlig außer sich, dann könnte man behaupten, dass es hier eigentlich ganz und gar bei sich ist. Das ist auch ganz in Ordnung so: Das Gefeilsche und Geschachere, das Marktgeschrei und die Augenwischerei gehörten schon immer dazu. Das gilt für Cannes mehr als für irgendeinen anderen Ort.

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